Wochenendseminar: Der kommende Aufstand? Krisen und soziale Kämpfe im globalen Kapitalismus

Seminar wird nicht mehr am Sonntag stattfinden aufgrund kurzfristiger Umplanung, auf Wunsch eines angeschlagenen Referenten. Vielen Dank falls ihr am Sonntag noch vorbeischauen wolltet, aber das Thema wird ja nicht so schnell verschwinden…

– Seminar mit dem Institut für kategoriale Analyse
13.-15. Mai 2011 Uni Köln

Die ideologische Zuversicht der Fans des Bestehenden nach 1989, dass der Kapitalismus nun aber wirklich „das Ende der Geschichte“ sei, hat nicht lange angehalten. Spätestens mit der sogenannten Finanzkrise ist wieder offensichtlich geworden, dass die kapitalistische Gesellschaft stets neue Widersprüche hervorbringt. Schon die Globalisierungsbewegung von Genua 2001 ff. und dann die zunehmenden Auseinandersetzungen in französischen Vorstädten, deutschen Universitäten und griechischen Quartieren haben auch in Europa gezeigt, dass die Zukunft nicht festgeschrieben ist, sondern wesentlich von sozialen Kämpfen und Kräfteverhältnissen beeinflusst wird. Entscheidend war hier nicht nur der Aufstand gegen die herrschende Doktrin des Neoliberalismus, sondern auch die Überwindung der traditionsmarxistischen Revolutionsvorstellung, nach der es ein eindeutiges revolutionäres Subjekt und eine ebenso klarere Methode zur gesellschaftlichen Veränderung (i. d. R. die kommunistische Partei) gebe. Gleichzeitig erwies sich mit einer erweiterten Perspektive auf Kämpfe in der Migration und im Bereich der Geschlechterverhältnisse das vormals dominante Haupt- und Nebenwiderspruchsdenken als überholt – neue Konzepte wie das der Intersektionalität gewinnen zunehmend an Einfluss, nicht nur in den wissenschaftlichen Debatten.
Gleichwohl sind in den neueren radikalen Ansätzen zur gesellschaftlichen Emanzipation entscheidende Fragen noch vollkommen offen. Wenngleich sich – von Antonio Negri, über John Holloway bis zum Committee Invisible – bereits unterschiedliche linke Ansätze an einer Theorie für die neuen sozialen Auseinandersetzungen versucht haben, bleiben sie doch in Bezug auf zentrale, gesellschaftstheoretische Kategorien, wie z.B. Staat, Klasse und Ideologie, meist nebulös.
Wir wollen uns daher in dem Seminar Zeit für eine Analyse der heutigen gesellschaftlichen Verfasstheit nehmen und uns systematisch mit den aktuellen Versuchen einer gegen eben diese gerichteten, radikalen Opposition beschäftigen. Insbesondere wollen wir diskutieren inwiefern diese Ansätze eine adäquate Analyse des globalen Kapitalismus sowie eventuell sogar eine plausible Strategie gesellschaftliche Veränderung anbieten können.

Programm

Freitag
Humanwissenschaftliche Fakultät Hauptgebäude
Gronewaldstr. 2, 50931 Köln | Raum 717, 16 – 21 Uhr

Block I: Traditionelle Revolutionstheorien des Fordismus und historische Bewegungen:

1. RätekommunistInnen, Stalinismus, Maoismus und Anarchismus
2. Sozialebewegungen: Frauenbewegung, Antikolonialismus, Studentenbewegung, Ökobewegung und autonome Bewegung

Samstag
Humanwissenschaftliche Fakultät Hauptgebäude
Gronewaldstr. 2, 50931 Köln | Raum 717, 11 – 18 Uhr

Block I: Revolutionstheorien im Neoliberalismus

1. Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen – Open Marxism/
(Neo-)Operaismus
2. Der kommende Aufstand – (Neo-)Anarchismus

Block II: Revolutionstheorien im Neoliberalismus

1. Das Konzept der „Multitude“ (Postoperaismus)
2. Wertkritik und Revolution
3. Radikaler Reformismus und Hegemonie

Sonntag

Humanwissenschaftliche Fakultät Hauptgebäude Departmend Heilpädagogik
Frangenheimstr. 4, 50931 Köln | H II , 12 – 16 Uhr

Block I: Intersektionalität als neues Paradigma? – Zur Verschränkung von Diskriminierung und Kämpfen

Block II: Abschlussdiskussion

Literatur

  • Baumeister, Biene; Negator, Zwi (2005): Situationistische Revolutionstheorie. Stuttgart: Schmetterling Verlag
  • Birkner, Martin; Foltin, Robert (2010): (Post-)Operaismus. Von der Arbeiterautonomie zur Multitude. Stuttgart: Schmetterling Verlag
  • Böke, Henning (2007): Maoismus. China und die Linke – Bilanz und Perspektiven. Stuttgart: Schmetterling Verlag
  • Commite Invisible (2010): Der kommende Aufstand, Hamburg: Nautilus
  • Ellmers, Sven (2009): Die fromanalytische Klassentheorie von Kral Marx. Ein Beitrag zur ,neuen Marx-Lektüre’. 2. Aufl. Duisburg
  • Freunde und Freundinnen der klassenlosen Gesellschaft (2007): Kosmoprolet Heft I, Berlin
  • Hardt, Michael; Negri, Antonio (2004): Multitude: Krieg und Demokratie im Empire, Frankfurt: Campus Verlag
  • Hardt, Michael; Negri, Antonio (2004): Multitude. Krieg und Demokratie im Empire. Frankfurt a. Main, New York.
  • Hardt, Michael; Negri, Antonio (2010): Common Wealth. Das Ende des Eigentums. Frankfurt a. Main, New York.
  • Hirsch, Joachim (2005): Materialistische Staatstheorie, Hamburg: VSA-Verlag
  • Holloway, John (2010): Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen. 4. Auflage. Münster: Westfälisches Dampfboot
  • Kellner, Manuel (2004): Trotzkismus. Einführung in seine Grundlagen – Fragen nach seiner Zukunft. Stuttgart: Schmetterling Verlag
  • Klinger, Cornelia; Knapp, Gudrun-Axeli; Sauer, Birgit (Hg.): Achsen der Ungleichheit: Zum Verhältnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizität. Frankfurt: Campus Verlag
  • Postone, Moishe (2003): Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft: Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx. Freiburg: Ca-Ira Verlag
  • Silver, Beverly (2005): Forces of Labor. Arbeiterbewegungen und Globalisierung seit 1870. Berlin/Hamburg
  • Trumann, Andrea (2002): Feministische Theorie. Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus. Stuttgart: Schmetterling Verlag